Über offene Tabs, fehlende Übergänge und mein persönliches Logbuch

Ist das nicht ein schönes Gefühl?

Der Blogartikel ist fertig geschrieben.
Das Angebot an neue Kundinnen ist raus.
Das Gespräch zur Vorbereitung der nächsten Kooperation war vielversprechend.

Genau deshalb habe ich mich selbstständig gemacht.

Ich liebe es, mit Themen zu arbeiten, für die ich brenne. Eigene Ideen zu entwickeln. Mich selbst zu organisieren. Projekte aufzubauen, die sich wirklich nach mir anfühlen.

Am Abend klappe ich zufrieden den Laptop zu.
Die wichtigsten To-dos sind erledigt. Für heute reicht es.

Eigentlich.

Denn kaum wird es ruhiger, geht mein Kopf erst richtig los.

Die Unternehmerin aus dem Gespräch vorhin hatte noch einen guten Tipp für meine Instagram-Kampagne. Vielleicht sollte ich das ausprobieren. Oder doch lieber etwas anderes? Und wie werden die neuen Kundinnen reagieren? Sollte ich die Änderungen vorher erklären? Passt der Blogartikel dann überhaupt noch dazu?

Noch bevor ich darüber nachdenken kann, öffne ich längst wieder die Notiz-App.

Neue Ideen.
Neue Gedanken.
Neue offene Tabs.

Und wenn ich das nächste Mal auf die Uhr sehe, ist es kurz vor Mitternacht.

Warum sich mentale Überlastung oft so normal anfühlt

Eigentlich klingt Selbstständigkeit nach Freiheit.

Wir arbeiten in Räumen, die wir selbst gestaltet haben. In der Nähe unserer Familie, unserer Hunde oder Katzen. Wir entscheiden selbst über unsere Arbeitszeiten und darüber, woran wir arbeiten möchten.

Und natürlich fühlt es sich schön an, sich mit den eigenen Projekten zu beschäftigen. Mit etwas, das sinnvoll wirkt, Freude macht und vielleicht sogar anderen Menschen hilft.

Genau hier beginnt oft das Problem.

Denn unser Kopf unterscheidet nicht besonders gut zwischen „spannend“ und „anstrengend“.

Viele Unternehmerinnen springen im Alltag ständig zwischen verschiedenen Themen hin und her.
Ein Meeting endet, die nächste Aufgabe beginnt. Zwischendurch beantworten wir Nachrichten, notieren Ideen oder denken gedanklich schon an das nächste Projekt.

Oft entstehen dabei keine bewussten Übergänge.

Und genau dadurch bleiben innerlich viele Tabs geöffnet.

Unser Gehirn arbeitet weiter, obwohl wir längst beim nächsten Thema angekommen sind. Wie ein Browser mit zu vielen offenen Fenstern im Hintergrund.

Erst am Abend melden sich diese offenen Tabs wieder.

Nicht laut.
Aber präsent genug, damit der Kopf nicht wirklich zur Ruhe kommt.

Der fehlende innere Feierabend

Vielleicht liegt das Problem gar nicht nur an der Arbeitsmenge.

Sondern daran, dass wir kaum noch wirklich abschließen.

Der Laptop wird zugeklappt und sofort beginnt die nächste Aufgabe. Kinder, Haushalt, Nachrichten, Organisation oder neue Ideen.

Wir gehen von Verantwortung zu Verantwortung.
Von Anspannung zu Anspannung.
Von einem offenen Tab direkt zum nächsten.

Früher gab es oft noch Übergänge. Einen Arbeitsweg. Musik im Auto. Ein Hörbuch in der Bahn. Ein paar Minuten zwischen zwei Welten.

Heute fällt vieles davon weg.

Natürlich spart das Zeit.
Aber manchmal fehlt genau dadurch der Moment, in dem unser Kopf langsam mitbekommt:
Der Arbeitstag ist vorbei.

Wenn wir Aufgaben nie wirklich beenden, bleiben sie innerlich aktiv.

Und mit der Zeit entsteht daraus etwas, das viele Unternehmerinnen kennen:
Dauererschöpfung trotz Freiheit.

Freie Zeit fühlt sich nicht mehr richtig frei an.
Der Kopf bleibt angespannt.
Und selbst kleine Aufgaben wirken plötzlich schwer.

Mein persönliches Logbuch

Ich habe schon als Kind gerne geschrieben.

Später habe ich viele klassische Tagebücher angefangen. Aber irgendwann hat mir das freie „Heute ist das und das passiert“ nicht mehr geholfen.

Mein Alltag fühlte sich zu voll an. Zu schnell. Zu komplex.

Ich brauchte etwas anderes.

Deshalb habe ich irgendwann angefangen, ein persönliches Logbuch zu führen.

Ganz einfach auf irgendeinem Zettel, der gerade herumliegt.

Immer wenn ich eine Aufgabe abschließe — oder spätestens alle paar Stunden — schreibe ich auf, was ich erledigt habe.

Und zwar bewusst detailliert.

Nicht:
„Drei E-Mails beantwortet.“

Sondern:

  • Rückmeldung zur Kooperation geschrieben
  • Kundin geantwortet
  • Termin mit Steuerberater vereinbart

Auch kleine oder unangenehme Aufgaben kommen auf die Liste. Gerade dann, wenn sie Überwindung gekostet haben.

Manchmal schreibe ich sogar kleine Kommentare dazu:
„Hurra.“
Oder male ein Herz daneben.

Denn dieses Logbuch ist nicht für Leistungskontrolle gedacht.

Es ist für mich.

Es hilft mir wahrzunehmen, dass der Tag nicht nur aus offenen Aufgaben besteht, sondern auch aus Dingen, die bereits erledigt sind.

Und wenn ich abends langsam darüber nachdenke, ob ich Feierabend machen darf, nehme ich den Zettel zur Hand und sehe:
Ich habe heute schon genug getragen.

Journaling als bewusster Übergang

Genau deshalb hilft mir Journaling heute nicht mehr nur dabei, Gedanken aufzuschreiben.

Sondern Übergänge bewusster zu gestalten.

Gedanken sichtbar zu machen.
Etwas innerlich abzuschließen.
Den Kopf langsamer werden zu lassen.

Nicht alles muss sofort gelöst werden.

Manches muss einfach nur kurz aus dem Kopf aufs Papier.

So wie wir einen Schreibtisch aufräumen, bevor der Arbeitstag endet, kann auch Journaling dabei helfen, innerlich etwas mehr Ordnung entstehen zu lassen.

Nicht perfekt.
Nicht jeden Tag gleich gut.

Aber oft ruhig genug, damit der Kopf langsam versteht:
Für heute reicht es.

Willkommen im Ruhepunkt-Club

Genau aus diesen Gedanken heraus entsteht auch der Ruhepunkt-Club.

Nicht als großer Onlinekurs mit endlosen Modulen und Leistungsdruck. Sondern als ruhiger Begleiter im Alltag.

Mit kurzen Schreibimpulsen, kleinen Reflexionen und Themenräumen für Unternehmerinnen, deren Kopf selten ganz abschaltet.

Nicht als weiterer Druckpunkt.

Sondern als kleine mentale Pause zwischen all dem, was du täglich trägst. 🌸